Aus dem Leben eines Übersetzers

2003 habe ich mich direkt nach dem Studium selbständig gemacht. Die ersten Kunden waren schnell gefunden. Ich arbeitete sehr viel und gründete eine Agentur. Knapp zwei Jahrzehnte lief alles wie am Schnürchen. Doch dann herrschte gleich mit mehreren Kunden plötzlich Funkstille. Andere Kunden rückten mit der Wahrheit heraus: Da sich die Qualität der maschinellen Übersetzung mittlerweile enorm verbessert hatte, waren unsere Dienste gewissermassen überflüssig geworden. Einziges Manko: Den Texten fehlte es oft am nötigen «Feingefühl» im Ausdruck. Und so fragten sie mich, ob mein Team und ich eventuell dazu bereit wären, ihren von der Künstlichen Intelligenz vorübersetzten Texten den nötigen Schliff zu verpassen.

Ich muss zugeben, dass mir die Sache Angst machte: Wie sollte ich die Agentur nur mit Korrekturen/Überarbeitungen und Post-Editing am Laufen halten? Das Arbeitspensum und die Margen würden wohl deutlich sinken.

Also sprach ich mit meinen Übersetzer*innen (zum Grossteil Freelancer) und war überwältigt von ihrer Reaktion: Fast alle waren bereit, die neuen Arbeitsbedingungen zu akzeptieren. Die Inhouse-Mitarbeiter wiederum krempelten die Arme hoch, um neue Kunden zu finden (um die entstandenen Verluste wettzumachen).

Zu sagen, dass das Geschäft wieder so floriert, wie früher, wäre gelogen. Aber ich kann mit Stolz behaupten, dass wir uns weiterentwickelt haben. Wir mussten zwar alle den Gürtel enger schnallen und uns umorientieren: vom Übersetzer zum Post-Editor. Letztendlich finden wir aber auch hier unsere Erfüllung: Jedes Mal, wenn wir einen Fehler (Terminologie, Satzbau, Grammatik oder was auch immer) korrigieren und jedes Mal, wenn wir die Texte mit kleinen Änderungen attraktiver machen, spüren wir, dass unsere Geschichte hier noch nicht zu Ende ist.

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